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COP15 Rückblick: Starre - Scheitern - Chaos... und dennoch Hoffnung

[von Frauke und David] Kopenhagen 2009. Es sollte der Wendepunkt im internationalen Klimaschutz werden. Kaum jemand sprach im letzten Jahr von Klimaschutz ohne hoffnungsvoll Kopenhagen zu erwähnen. Doch alle „Act the fuck now“ Rufe und nachdrücklichen Hinweise der Gesellschaft an die Mächtigen der Welt es gebe keinen Planeten B verhallten ungehört. Eine unverbindliche Abschlusserklärung  - Copenhagen Accord gennant - die von den Staaten nur zur Kenntnis genommen wird, zeugt vom vollkommenen Scheitern der Konferenz.

Merkels Aussage, dieses Ergebnis sei ein erster Schritt zu einer Weltklimaordnung, erweckt den Eindruck sie lebe in einer anderen Welt, war auf einer anderen Konferenz. Der Copenhagen Accord wurde von einer Gruppe von rund 30 Ländern – überwiegend aus dem reichen Norden -  hinter den Kulissen als Minimalkompromiss ausgehandelt. Der Text enthält jenseits der Aussage man wolle die Erwärmung langfristig auf 2°C begrenzen sowie der Zusage von 30 Milliarden USD Soforthilfe bis 2012 an Entwicklungsländer nichts Konkretes. Um 3.10 Uhr wird in der letzten Nacht der Verhandlungen dieses 2 ½ seitige Kompromisspapier vom dänischen Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen ins Plenum eingebracht. Die Reaktion auf diese an Unverbindlichkeit nicht zu übertreffenden Seiten ist ein Kritiksturm. Es hagelt massiv Kritik – besonders von Seiten der Insel-  und afrikanischen Staaten, die mit dem Papier ihren Untergang unterschreiben würden. Auch am Verfahren wurde massiv Kritik geübt. Die Konferenz kann eine Abschlusserklärung nur einstimmig beschließen, daher wird das Papier nach übermüdeter Diskussion bis 10.30 Uhr nur zur Kenntnis genommen und eine Liste der Länder angefügt die es unterstützen.

Im Copenhagen Accord steht, dass die ANNEX 1 Länder bis Ende Januar 2010 ihre Emissionsreduktion bis 2020 melden sollen. Noch ist die Tabelle im Anhang an die Erklärung leer, denn bisher wurden von kaum einem Land akzeptable Zahlen auf den Tisch gelegt. Europa muss auch ohne das Zustandekommen eines international bindenden Abkommens 30% Emissionsreduktion bis 2020 verbindlich festschreiben. Die Bundesregierung muss konkrete Maßnahmen durchsetzen um -40% bis 2020 und -95% Emissionsreduktion bis 2050 zu erreichen.
Interessant ist die Aufteilung der 30 Milliarden Soforthilfe bis 2012: 11 Milliarden USD sollen von Japan gezahlt werden, 10,6 von der EU und 3,6 Milliarden trägt das Land mit dem höchsten pro Kopf Ausstoß bei: die USA.

Ein Schritt in die richtige Richtung? - Immerhin, das 2°C Ziel wird in einem UN-Papier genannt, es gibt eine Soforthilfe, USA und China haben über Klimaschutz gesprochen, ist das nicht bemerkenswert? Nein, der Schritt ist zu klein. Wenn man den Mond erreichen muss und dazu erst einmal auf einen Stuhl steigt, ist das vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung. Angesichts der Dimension und Bedeutung der Herausforderung ist es völlig unangemessen. Für manche scheinen die Inselstaaten bereits heute nicht mehr zu existieren, deren mahnende Appelle - teils unter Tränen - verhallten ungehört. Es mag ein Versehen sein, dass auf der großen Weltkugel im Bella Center einige asiatische Inselstaaten nicht eingezeichnet wurden. Die Symbolik ist jedoch kaum zu übertreffen: In manchen Köpfen scheinen sie bereits untergegangen.

NGO-Vertreter wurden schon am Mittwoch, dem 16. Dezember, größtenteils aus der Konferenz ausgeschlossen. Als das High Level Segment, die Verhandlungen auf höchster Ebene, begann, war die Zivilgesellschaft nicht mehr erwünscht. Hätten all die Heads of States, die zahlreich wie nie zu einer Klimakonferenz angereist waren, nur einen Tag statt im Konferenzkosmos beim Alternativgipfel oder den zahlreichen Demonstrationen draußen verbracht, vielleicht wäre ihnen die Dringlichkeit des Problems persönlich bewusst. So blieb es bei routinierter Gipfeldiplomatie.

Die Veränderung aus der Gesellschaft heraus muss unterstützt werden von politischen Beschlüssen auf deutscher und auf Europa-Ebene, die nach dem Scheitern von Kopenhagen um so wichtiger sind: Europa muss auch ohne das Zustandekommen eines international bindenden Abkommens 30% Emissionsreduktion bis 2020 verbindlich festschreiben. Die Bundesregierung muss konkrete Maßnahmen durchsetzen um -40% bis 2020 und -95% Emissionsreduktion bis 2050 zu erreichen. Beispielsweise ein Moratorium für Kohlekraftwerke. Gerade für den internationalen Klimaschutz ist es wichtig Beispiele dafür zu schaffen wie wunderbar es sich in einer dekarbonisierten Gesellschaft lebt.

Die Klimapiraten werden dabei sein und weiterkämpfen für eine saubere Zukunft.

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