Stürmische Abenteuer auf hoher See
[geschrieben von Anne] Schluß mit den Kinkerlitzchen und mit lustig: COP ist gefloppt, Haare ab (zumindest ein Drittel der neuformierten Rückfahrtscrew), also zurück in Richtung Greifswald, und zwar schnell. Keine günstige Windvorhersage für die kommenden Tage: 1. viel, 2. von Süden, was in diesem Falle von vorne heißt, und was das für die Überfahrt bedeutet, ergibt sich von selbst. Zunächst war aber alles noch ganz sutje und schön.
Strahlender Sonnenschein, brauchbarer Wind, und innerhalb kurzer Zeit waren von Kopenhagen nur noch rauchende Schlote zu sehen und von uns alle Segel – aber dann gings los. Und zwar so richtig. Was mit Flaute begann, entwickelte sich schnell in einen Schneesturm, der vom Wind her völlig unbrauchbar war. Motor an, und so viel Fahrt wie möglich machen, denn es konnte nur schlimmer werden. Genau das wurde es auch.
Nach dem Mittagessen ergaben sich die ersten der Seekrankheit, vorm Abendessen standen nur noch die paar Harten abwechselnd oben am Steuer oder unten zum Füße wärmen und Essen kochen. Sodom und Gomorrha at its best: Entweder Erfrieren oder Kotzen. Ersteres ist nicht passiert, letzteres zuhauf – gut, daß der Wind wenigstens nicht gedreht hat und sich bewährte Plätze etabliert haben. Ganz im Gegenteil zur Route. Erst hieß es, das Ziel für heute wäre Klintholm. Aufgrund Wind, Wetter und, unterm Strich, Wellen, hieß es umdisponieren und etwas weiter zu greifen, bis Stralsund halten wir durch! Sehr zu Freude der gebeutelten Crew.
Und so begann eine sehr lange Nacht. Schnee. Wellen. Wind. Alles gleichermaßen über die Maßen. Die Glücklichen, die das dress-like-a-pirate-Video befolgt haben (und nicht leidend im Lazarett-Salon oder in ihren Kojen auf festen Boden oder wenigstens weniger Seegang hofften) konnten sich im 2-Stunden Takt zum Wachen und damit Steuern abwechseln. Und, eigentlich, war es eine beinahe magische Nacht: Unglaublich kalt, Wellen, die teilweise übers ganze Schiff schwappten, und nachdem der Schnee sich lichtete, kam das nächste Phänomen: Seerauch. Das ist feiner, dichter Nebel, der sich ungefähr bis zu 4 Meter über der Wasseroberfläche hartnäckig hält, da das Wasser wärmer ist als die Luft und dementsprechen kondensiert.
Wie aus dem Lehrbuch, aber mit der Konsequenz eines weiteren Kurswechsels: Wie soll man denn auch in der Suppe das Fahrwasser finden? Schneller Beschluß, irgendwo vor der Küste in ruhigerem Gewässer vor Anker zu gehen. So denn die Ankerkette nicht völlig vereist ist... bevor wir uns dieser Problematik zuwenden konnten, gabs aber noch kurz ein bißchen Katastrophenalarm (nicht bei uns, allerdings) – ein nachzügelnder Klimapirat, der das letzte Update von uns bekommen hatte, als es noch Netz und Handyakku gab, erwartete uns um 22 Uhr in Klintholm und wurde zunehmend besorgter, da er weder jemanden von uns erreichen konnte (entweder seekrank und ausgeknockt oder besagte Akkuproblematik) noch die Lovis in Klintholm aufzufinden war. Und so kam es, daß Lovis und Petrine beinahe als vermißt galten, den entsprechenden Funkruf aber glücklicherweise beantworten konnten.
Zurück zum Anker: Mit ein paar Eimer heißen Wasser ließ sich dieser dann an geeigneter Stelle im Nebel vor Hiddensee lösen. Die Schaukelei und Irrfahrt war fürs erste vorbei, und mit Licht vom Mast hatten wir dann endlich Augen fürs Schauspiel drumherum: Die Lovis hatte neben einer Eislaufoberfläche (jemand Schliitschuhe dabei?) noch einen bezaubernden Überzug von Eiszapfen an den diversesten Stellen erhalten, während im Wasser um uns die ersten Eisschollen trieben und über uns durch den Nebel vereinzelte Sterne blinkten. Für derart in der Tat beinahe magische Momente um 4 Uhr morgens hat sich einfach wirklich alles gelohnt!
Rent A Pirate!
und miete Dir eineN
KlimapiratIn!

*puh*
Schon nicht schlecht, was ihr erlebt habt; da war es ja auf der Hinfahrt gerade zu gemütlich. Wer weiß ob meine Bekleidung, die ja für dieses Wetter geeignet wäre auch tatsächlich mich vor dem Erfrieren bewahrt hätte, wenn ich auch auf der Rückfahrt dabei gewesen wäre.
Schön, dass ihr alle wohl auf seit und auch nur Fischfutter über Bord ging. ^^
LG, André
Eisfrei voran
Ahoi Lovis & Petrine,
schade, dass mich die Erkältung umgehauen und mir eine Rückfahrt verwehrt hat. Die Rückfahrt klingt nach einem weiteren grandiosen Segelabenteuern beider Crews. Ich bin fast neidisch, aber gespannt auf weitere Geschichten.
Herzlichst,
Stephan
Na dann...
Ahoi, liebe Klimapiraten!
Ich hoffe, ihr konntet einige Akzente setzen, auf dieser Konferenz. Zwar hat die politische "Elite" ein wahres Fest des Scheiterns abgehalten, aber ich sehe, es gibt noch engagierte Leute, die ihre Ziele klar im Fokus haben und für ihre Sache kämpfen. Die getroffene Vereinbarung ist ein Witz und erinnert mich an ein Sperrgesetz nach dem Motto: 2 Grad Temperaturanstieg sind erlaubt, mehr ist verboten ... was für eine Enttäuschung!
Ich danke euch von Herzen für euer Engagement!
Schöne Grüße aus dem Greifswald
Steffen
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